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Verkehrte Welt

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Wikileaks-Informant Bradley Manning wird zu 35 Jahren Haft verurteilt.

Leben wir nicht in einer verkehrten Welt? Da begehen einige US-Soldaten Kriegsverbrechen. Am 12. Juli 2007 töten sie bei einem Hubschraubereinsatz in Bagdad 13 Iraker und einen Fotografen der Nachrichtenagentur Reuters, dessen Kamera sie angeblich für eine Waffe gehalten hatten. Dieser Angriff wurde auf Video festgehalten und zeigte, dass die Soldaten offensichtlich ihren Spaß dabei hatten.

United States Army photograph of Bradley Manning

United States Army photograph of Bradley Manning

Der damalige Private First Class Bradley Manning arbeitete zu diesem Zeitpunkt bei den Streitkräften als Nachrichtenanalyst. Er sah das Video und war über die “Lust am Töten” der GIs schockiert. In der Folge recherchierte er in den Geheimakten der Streitkräfte und fand Belege für mehr als 300 Fälle von Folter durch amerikanischen Einheiten im Irak. Manning informierte seine Vorgesetzten, doch die wollten das Ganze nur unter den Teppich kehren. Sie unternahmen gar nichts.

In seiner Verzweiflung nutzte Mannings das letzte freie Medium aus, das Internet. Er spielte diese vertraulichen Dokumente der Enthüllungsplattform Wikileaks zu, die auch viele Fälle an die Öffentlichkeit brachten. Am 26. Mai 2010 wurde Mannings verhaftet und in ein Gefängnis auf der Marine Corps Base Quantico in verschärfte Isolationshaft gesteckt. Das Ziel war ganz eindeutig, Mannings psychisch und physisch zu brechen.

Dieser Tage wurde “Whistleblower” Mannings in einem Militärgerichtverfahren wegen Landesverrat zu 35 Jahren Haft verurteilt. Der Staatsanwalt hatte ursprünglich die Todesstrafe und letztendlich “nur” 60 Jahre Gefängnis gefordert. Wenn Mannings Glück hat, kann er unter Umständen in ungefähr neun Jahren wegen guter Führung entlassen werden.

In den angezeigten 300 Folterfällen wurde meines Wissens nach von der amerikanischen Regierung nichts unternommen. Bestraft wurde bisher als einziger derjenige, der solche Fälle verhindern wollte, indem er sie an die Öffentlichkeit brachte.

“Whistleblower sind die wertvollste Quelle für Informationen über Regierungsfehlverhalten.”
Us-Präsident Barack Obama

Vor seiner Wahl nannte US-Präsident Barack Obama sog. Whistleblower die „wertvollste Quelle für Informationen über Regierungsfehlverhalten”. Er versprach, die Transparenz des Regierungshandelns zu steigern. Mittlerweile übertrifft seine Geheimhaltungspraxis (und auch seine Bespitzelungspraxis) deutlich die der Bush-Regierung.

Leben wir nicht in einer verkehrten Welt?

Autor: Bob

Der Blog von WRITE SAID BOB | Robert Sonnleitner. Ich bin Texter, Werber, Webdesigner und Schriftsteller aus Wien.

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