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Qualitativer Journalismus schaut anders aus

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Die deutsche „Huffington Post“ will schwarze Zahlen schreiben – und Blogger ohne Honorar schreiben lassen.

Seit gestern gibt es eine Deutschland-Ausgabe der „Huffington Post“, eine der größten Onlinezeitungen in den USA. Die “HuffPost” möchte innerhalb von zwei Jahren profitabel sein und innerhalb von fünf Jahren zu den fünf größten Nachrichtenportalen Germaniens zählen. 15 Redakteure sollen dafür arbeiten. Ein paar News bereitstellen. Und auch Beiträge anderer Online-Medien zu einem neuen Text umschreiben. Böse Kritiker nennen das “Texte-Klauen”; sie liegen aber völlig falsch, das heißt “Aggregations-Journalismus”.
Wer sich jetzt wundert und meint, das Team sei nicht besonders groß, wird die Pointe genießen: Webjournalisten und Blogger sollen kostenlos Artikel schreiben.
Kostenlos?
Yupp, richtig gelesen. Kostenlos.

Na bumsti. Also, ich gebe hiermit bekannt: Ich gründe jetzt auch eine Zeitung, und alle, die bei mir gratis arbeiten wollen, sind herzlich willkommen!

Aber Klartext jetzt: Welcher ernst zu nehmende Journalist wird kostenlos Artikel schreiben? Damit ein journalistisches Produkt auch nur ansatzweise seriös (und lesenswert) ist, muss man als Verfasser viel Zeit hineinstecken, für Recherche, fürs Schreiben, etc. Das ist Arbeit, die honoriert werden muss.

Stellen wir die Frage andersrum: Wer kann es sich leisten, ohne Bezahlung zu arbeiten? Ja, wenn das Ganze ein Hobby ist … Aber kann man seriösen Journalismus als Hobby betreiben? Ich glaube, das funktioniert höchstens in Ausnahmefällen. Qualitativer Journalismus schaut jedenfalls anders aus.

Texter-Branche wird immer amateurhafter
So wie auch qualitativ hochwertige Texte. Denn dieses Problem zieht sich ja quer durch die gesamte Texter-Branche. Manche SEO-Agenturen bieten mittlerweile Gratis-Texte an.
Frage: Wer wird denn diese Gratis-Texte schreiben? Für ein Honorar, das bei 1 bis 2 Cent pro Wort liegt? Seriöse, kompetente Texter?

Nein, das wage ich zu bezweifeln. Hier versuchen sich Amateure, Hausfrauen (sorry), Germanistikstudenten (nochmals sorry) und Möchtegern-Schriftsteller (ein drittes Mal sorry) als Schreiberlinge. Und genau so amateurhaft klingen dann die Texte. Denn wieviel Enthusiasmus und Zeit wird man in einen Text stecken, wenn man einen Nasenrammel dafür bezahlt bekommt?

Auf die Dauer jedenfalls wird, so fürchte ich, wird Professionalität auf der Strecke bleiben.

Autor: Bob

Der Blog von WRITE SAID BOB | Robert Sonnleitner. Ich bin Texter, Werber, Webdesigner und Schriftsteller aus Wien.

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