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Keyword Density: Schnee von gestern!

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Um ein tolles Ranking bei Google zu erreichen braucht man die richtige Keyword Density (Schlüsselwort-Dichte). SEO-Agenturen lobpreisen sie wie der Junkie die Prise Koks. Aber tatsächlich ist Keyword Density schlicht Humbug.

Wieviel darf’s denn sein bei der Keyword Density? Drei Prozent? Sieben Prozent? Oder darf’s doch ein bisserl mehr sein? 15 Prozent sollen auch noch in Ordnung sein, aber man kann ja das ein oder andere Schlüsselwörtchen doch noch raushauen. Machen wir! Gerne! Der Nächste, bitte!

Angeblich ist der ideale Webtext so um die 300 Wörter lang; angeblich steht sich’s Google drauf. Zumindest kann man das auf den Homepages diverser SEO-Agenturen nachlesen.

Lassen Sie mich ein Beispiel bringen: Stellen Sie sich vor, Sie brauchen einen (Web-)Text zum Thema „Vollkaskoversicherung“. Als langjähriger Texter fragt man sofort nach, welche Keyword Density verlangt wird. Im leichtesten Fall (drei Prozent) baut man das Wort „Vollkaskoversicherung“ neun Mal in den 300 Wörter langen Text ein; im schwierigsten Fall (15 Prozent) 45 Mal (zugegeben, sehr unwahrscheinlich).

Hm …Selbst die neun Mal können einen so kurzen Text ziemlich gekünstelt wirken lassen. Ob das noch wirklich Sinn macht? Oder wird das Ganze nicht ein unleserliches Geschreibsel, das zwar vielleicht für den Googlebot (der Suchroboter, der neue und aktualisierte Seiten ermittelt, damit sie dem Google-Index hinzugefügt werden) interessant ist, aber nicht für einen Menschen.

Das neue Zauberwort: WDF*IDF
Das neue Kaninchen, das jetzt SEO-Agenturen aus dem Zylinder zaubern, heißt WDF*IDF. Dahinter verbergen sich zwei Begriffe:

  • WDF = within-document-frequency.
    Wie oft kommt ein bestimmtes Wort in einem Dokument in Relation zu allen anderen Wörtern vor?
    Je öfter es zu finden ist, desto größer ist der WDF-Wert.
  • IDF = inverse-document-frequency
    Wie viele Dokumente und/oder Texte gibt es, in denen ein bestimmtes Schlüsselwort vorkommt? Und: Welche anderen (relevanten) Wörter tauchen im Umfeld dieses Keywords auf?
    Je mehr Dokumente es gibt, umso “schwieriger” wird die Erzeugung von Relevanz.

Suchmaschinen sind keine Menschen
Man darf eines nicht vergessen: Suchmaschinen können nicht sinnergreifend lesen. Sie lesen zwar einen Text, aber „verstehen“ inhaltlich kein Wort. Und genau das ist das Problem: Woher weiß Google dann, dass ein Text wirklich gut = relevant ist?
Vereinfacht ausgedrückt: Indem Google ihn vergleicht – mit anderen Texten. Wenn in hunderten Texten das Wort „Vollkaskoversicherung“ in Verbindung mit „Auto“ auftritt und in einem nicht,. dann wird vermutlich mit diesem „Ausreißer“ irgendetwas nicht stimmen.

WDF*IDF in der Praxis
In der Praxis heißt das, ein bestimmtes Keyword muss mehrere Male in einem Text auftauchen … nicht zu oft, sonst wird es von Google als Spam betrachtet. Doch es genügt nicht, dieses Keyword nur im Text zu verstreuen, sondern man muss auch Relevanz dafür erzeugen, es sozusagen sinnvoll in den Text einbauen. Wichtig ist nicht, wie oft ein Schlüsselwort in einem Text vorkommt, sondern dass es inhaltlich zum Umfeld passt und thematisch stimmige Wörter vorkommen. Um bei unserem Beispiel zu bleiben: Die „Vollkaskoversicherung“ wird man nur sehr schwer in einen Text über Bio-Lebensmitteln sinnvoll einbauen können.
Andererseits: Wenn man ein Keyword und alle per WDF*IDF ermittelten Wortkombinationen verwendet, ist der Text für Google nicht einzigartig genug – und lässt ihn in seinem Ranking auch links liegen.

Content is King
Die WDF*IDF-Formel berechnet nur einen einzigen Ranking-Faktor. Sie kann dem Texter Hilfestellung geben, welche Keywords und welche Wortkombinationen sinnvoll sind, aber letztendlich kommt es darauf an, dass der Text sinnvoll = lesbar ist.
Jetzt könnte ich aber ironisch sagen, das habe ich als professioneller und seriöser Texter schon immer gemacht: Texte zu schreiben, die inhaltlich relevant UND interessant sind.

Fazit: Keyword-Dichte und WDF*IDF liefern nur Richtwerte. Aber Webseiten werden noch wie vor von Menschen gelesen. Und seien Sie ehrlich, ein Text, in dem in jedem dritten Satz „Vollkaskoversicherung“ auftaucht, ist definitiv nicht lesenswert. Content is King – sagt Google, und die müssen’s ja wissen.

Autor: Bob

Der Blog von WRITE SAID BOB | Robert Sonnleitner. Ich bin Texter, Werber, Webdesigner und Schriftsteller aus Wien.

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