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Headline knapp daneben

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Knapp daneben ist auch vorbei! Wieso ich als Werbeverantwortlicher das Plakat für einen Kabelbetreiber so nicht veröffentlicht hätte.

Normalerweise halte ich mich bei Kritik an Kollegen dezent zurück. Jeder Kreative versteckt in seinem Portfolio die eine oder andere Kampagne, mit der er sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat. Das geht mir nicht anders. Ich mag jetzt auch nicht mit erhobenen Zeigefinger dastehen und auf Oberlehrer machen.

Das Plakat für einen Kabelbetreiber ist aufgrund der missverständlichen Headline misslungen. (c) privat

Was übrig bleibt, ist ein Kabelbetreiber, der eine langsame Interverbindung anbietet. Deshalb sollte man bei Headlines, die gegenteiligen Bilderwelten erzeugen, sehr vorsichtig sein.

Dennoch bin ich der Meinung, man hätte bei der Headline für dieses Plakat ein wenig länger überlegen sollen. Denn der Text hinterlässt einfach schlechte Stimmung für den Absender.

Das liegt daran, dass unser Gehirn in Bildern denkt. Und wir ihm nicht befehlen können, an etwas nicht zu denken. Dazu können wir ganz leicht einen Versuch starten:

Denken Sie jetzt nicht an einen weißen Elefanten!

Sie sehen, es ist unmöglich; das weiße Rüsseltier spukt jetzt in Ihrem Kopf herum.

Gegenteilige Bilderwelten sind verwirrend
Dieser Mechanismus ist seit jeher in unser Gehirn einprogrammiert. Wir tun uns schwer, gegenteilige Wort- und Bildwelten in unserem Gehirn zu einer Einheit zu verschmelzen. Unser Gehirn braucht Zeit, das zu verarbeiten.

Die renommierte amerikanische Zeitschrift „Psychology today“ kam in einer Untersuchung sogar zum Ergebnis, positive Formulierungen werden rund doppelt so schnell verstanden wie negative.

Dazu kommt: Meistens speichert unser Gehirn im Unterbewusstsein erst das Falsche ab. In unserem Fall: Der Kabelbetreiber XY? “Nie wieda!” Weil: “Bis des Intaned lod, bin ich glodn!”
Dabei wollte der Plakat-Absender eigentlich genau das Gegenteil vermittelen. Sehr schade.

Nicht missverstehen: Natürlich versteht der Konsument das Plakat. Wenn er sich Zeit nimmt und darüber nachdenkt. Und zusätzlich die Hürde überwindet, die im Dialekt geschriebene Headline in die gewohnte Schreibform zu übersetzen. Und dazu die schwer zu lesenden weil langen Wörter in den kleingeschriebenen Zusatzbotschaften …

Meiden Sie komplizierte Konstrukte
Die Lösung besteht darin, komplizierte Konstrukte einfach zu vermeiden. Sagen Sie direkt, was Sie meinen. Denken Sie nicht nicht an einen weißen Elefenten; denken Sie an einen blauen Hasen. Geben Sie Ihren (Werbe-)Botschaften keine Gelegenheit, den Menschen etwas anderes zu suggerieren als das, was sie sagen möchten.

Autor: Bob

Der Blog von WRITE SAID BOB | Robert Sonnleitner. Ich bin Texter, Werber, Webdesigner und Schriftsteller aus Wien.

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